OKR und Scrum, passt das zusammen?

Wer von Agilität spricht verwendet meist nicht nur einmal das Wort „Scrum“. Und selbst klassisch aufgestellte Teams haben zumindest mal davon gehört, dass die Entwicklungsabteilung jetzt in Sprints arbeitet und sich regelmäßig über den Fortschritt austauscht. Doch Objectives and Key Results werden dagegen nicht automatisch mit dem Begriff Agilität verbunden. Dabei ist es mindestens ein ebenso agiles Framework wie Scrum.  Und nicht nur das: beide Konzepte ergänzen sich auch perfekt. In diesem Artikel findest du eine Gegenüberstellung der einzelnen Mechanismen.

Interessant ist auch, dass die meisten Unternehmen beim Thema Agilität zuerst an die operativen Prozesse denken. Also z.B. „Wie können wir unsere Projekte und Aufgaben so organisieren, dass wir flexibler reagieren können?“. Doch stellt man die Frage, warum diese Anpassbarkeit nicht auch für die eigenen Unternehmensziele wünschenswert wäre, blickt man zunächst in verblüffte Gesichter. Es scheint oft so, als seien die Ziele des Unternehmens, der Abteilungen und der Teams etwas in Stein Gemeißeltes, das vor jeglicher Änderung bewahrt werden müsse. Schließlich käme man doch nie am Ziel an, wenn man ständig die Richtung ändere, oder?

Doch was, wenn ich dir sage, dass OKR genau diesen Spagat für dich meistern können? Dazu schauen wir uns einmal an, wie sehr sich die beiden Modelle ähneln. Anschließend bist du in der Lage zu bewerten, ob sich der Zusammenschluss beider Ansätze auch für dein Unternehmen lohnen könnte.

Quartale vs. Sprints

In beiden Modellen werden feste, wiederkehrende Zeiträume betrachtet. Für OKR wählt man üblicherweise eine Spanne von drei Monaten, im Scrum sind es zwei Wochen. Gerade diese iterative Betrachtungsweise macht den hauptsächlichen Unterschied zu klassischem Projekt- bzw. Zielemanagement aus.

Erst diese stets gleichen Zeiträume ermöglichen es im Verlauf immer besser bei der Schätzung von Machbarkeiten zu werden.

OKR Planning vs. Scrum Planning

Das OKR Planning speist sich sowohl aus den strategischen Plänen der Unternehmensführung, als auch aus den operativen Herausforderungen der umsetzenden Teams und beide Perspektiven werden bei der Planung berücksichtigt. Es ist i.d.R. ein mehrstufiger Prozess, der von den Company OKRs bis hin zu Team-OKRs reicht.

In Scrum hingegen liegt der Schwerpunkt auf der kurzfristigen Ressourcenplanung für den kommenden Sprintzeitraum. Dabei wird auch das richtungsweisende Sprintziel festgelegt.

Sowohl bei OKR als auch bei Scrum wird also der gewünschte Zielzustand beschrieben, natürlich mit unterschiedlichen Zeithorizonten.

In Scrum werden die zu planenden User Stories nur auf fachliche Vollständigkeit und auf ein gemeinsames Verständnis der Aufgaben hin überprüft. Im Gegensatz dazu wird im OKR Planning auch über die Motivation des Teams gesprochen, das jeweilige Objective erreichen zu wollen. Denn wenn die Objectives das Team nicht motivieren, wird es weniger erfolgreich sein und schon gar keine Bestleistungen liefern können.

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Check-in vs. Daily

Beide Meetings verfolgen den Zweck eines Status-Updates. Das eine kann wöchentlich bis monatlich stattfinden, das andere muss täglich im Team durchgeführt werden. Man spricht in beiden Meetings über aktuelle Fortschritte, Herausforderungen und Blocker und wie man diese gemeinsam lösen kann. 

Eine Besonderheit gibt es dann auf OKR-Seite aber schon: Das sog. Confidence-Level. Dabei wird pro Key Result gemeinsam geschätzt, wie wahrscheinlich es ist, dass das Ziel noch bis Ende des OKR-Zyklus erreicht werden kann. Ein Äquivalent bildet im Scrum Daily höchstens der Remaining Estimate (sofern nicht Story Points anstelle von Zeiteinheiten verwendet werden). Dabei gibt jedes Team-Mitglied an, wie lange es voraussichtlich noch dauert, bis die User Story abgeschlossen sein wird.

OKR Champion vs. Scrum Master

Da sowohl OKR als auch Scrum ein hohes Maß an Disziplin abverlangen, um die Methoden erfolgreich im Unternehmen einsetzen zu können, kann es im Eifer des täglichen Geschäfts schnell dazu kommen, dass die Prinzipien nicht sauber eingehalten werden. Genau dafür macht es Sinn eine oder mehrere Personen für die Rolle des Aufpassers und Trainers zu bestimmen, die nicht an der fachlichen Diskussion beteiligt sind, sondern nur auf die Wahrung der jeweiligen Methode achten.

Beide heißen meistens Master und ähneln sich stark in ihren Aufgaben. Während der Scrum Master das Team bei der gemeinsamen Lösungsfindung für fachliche Probleme methodisch unterstützt, gibt der OKR Master vor allem Hilfestellungen bei der Formulierung geeigneter Ziele bzw. OKR Sets.

Objectives and Key Results vs. User Stories

Abgesehen vom inhaltlichen Unterschied gliedern sich OKRs in qualitative Ziele (Objectives) und quantifizierbare Erfolgstreiber (Key Results), während sich User Stories meist in begründete Nutzeranforderungen (Story) und überprüfbare Zielzustände (Akzeptanzkriterien) aufteilen lassen.

Bei OKRs wir die maximale Anzahl vom Modell bereits vorgegeben: Nicht mehr als 5 Objectives mit je 4 Key Results.

User Stories sind hingegen lediglich durch die maximal verfügbare Sprint-Kapazität des umsetzenden Teams begrenzt.

Moals vs. Epics

Die sog. Midterm Goals, kurz Moals, geben den größeren Rahmen für die daran ausgerichteten OKR-Sets der Teams wieder.

Auch Epics haben eine rahmende Funktion, indem sie größere Komponenten oder thematisch zusammengehörige Aufgaben beschreiben. Ihnen werden schließlich die passenden User Stories zugeordnet.

Während ein Epic als abgeschlossen gilt, wenn alle enthaltenen User Stories abgeschlossen wurden, so kann man diesen unmittelbaren Bezug nicht 1:1 auf Moals anwenden. Denn ein Moal kann auch unabhängig von den OKRs der Teams erreicht bzw. nicht erreicht worden sein.

OKR Backlog vs. Scrum Backlog

Ein Backlog dient dazu, die zur Zeit niedriger priorisierten Ziele oder Aufgaben für eine spätere Planung vorzuhalten. So können Ziele, die erst im kommenden Zyklus relevant werden, bereits heute benannt und sichtbar gemacht und später eingeplant werden. Auch User Stories, die z.B. aufgrund von Kapazitätsgrenzen nicht mehr in den aktuellen Sprint passen, gehen auf diese Weise nicht verloren, sondern werden für kommende Sprints vorgemerkt.

Allerdings spielt der Backlog in Scrum eine wichtigere Rolle als im OKR-Modell. Ein Grund dafür ist, dass wir heute meist noch gar nicht sagen können, welche Ziele im kommenden Zyklus für uns wichtig werden. 

Bei User Stories ist hingegen oft früh klar, welche Features bis zum Release geplant sind. Außerdem gibt es meist erheblich mehr User Stories als OKRs, was ein „Zwischenparken“ im Backlog wesentlich öfter notwendig macht.

Es gibt auch die Meinung, dass OKRs gar keinen Backlog haben sollten, da die wirklich wichtigen Ziele zukünftig ganz von allein wieder auf den Tisch kämen. Vorausgesetzt sie sind dann immer noch wichtig. Und wenn nicht bräuchte es auch keinen Backlog dafür.

Was meinst du? Lass‘ es uns in den Kommentaren wissen.

OKR Review vs. Sprint Review

Reviews sind Teil einer gelebten Feedback- und Lern-Kultur. Man möchte gemeinsam das Ergebnis bewerten und daraus für die Zukunft lernen.

Das ist natürlich sowohl bei operativen Aufgaben am Ende eines Sprints, als auch bei längerfristigen Quartalszielen so.

Einen Unterschied bildet auch hierbei wieder der Fokus auf den sich das Feedback richtet. 

OKR Retrospektive vs. Team Retrospektive

Mindestens genauso wichtig wie eine gute Planung ist die nachträgliche Aus- und Bewertung der Ergebnisse und Learnings im Hinblick auf das anfängliche Ziel. In beiden Modellen wird das durch Retrospektiven sichergestellt.

Bei der Scrum Retro geht es dabei aber nicht nur um die Sprintergebnisse, sondern häufig auch um Teamentwicklung und persönliches Feedback aus der Zusammenarbeit.

Eine OKR Retro kann je nach Bedarf auch mit dem OKR Review zusammengelegt werden und somit in einem Schritt passieren. Das hängt aber stark von der Organisationsform und dem Bedarf der Teams ab.

Fazit

Also ist das OKR-Modell einfach nur Scrum für Ziele? Nicht ganz. Obwohl wir sehr viele Parallelen zu den Scrum-Artefakten, ja beinahe eine Spiegelung erkennen können, gibt es dennoch ein paar feine Unterschiede. Mit gutem Grund. Insbesondere die Einbeziehung sowohl strategischer als auch operativer Themen und die gemeinsame Ausrichtung auf die Mission des gesamten Unternehmens finden in Scrum so nicht statt. Genauso können und sollten Projektaufgaben nicht unmittelbar in den Unternehmens- oder Teamzielen auftauchen, da sie schlicht viel zu kleinteilig sind.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die erfolgreichen agilen Prinzipien von Scrum auch im OKR-Modell ihre Anwendung finden. So lässt sich ein unübertroffenes Maß an Flexibilität in der Anpassbarkeit der Unternehmensziele auf die sich ändernden Bedingungen erreichen. Ein enormer Vorteil, der sonst nur aus der agilen Projektorganisation bekannt ist.

Die wirklich spannende Frage ist nun also, wieso es nach wie vor so viele „starre“ Zielkonstrukte gibt, obwohl die meisten immer wieder feststellen, dass es nicht ausreicht einmal am Anfang und am Ende des Jahres auf die Ziele zu schauen.

Wie wir also rückblickend auf die reißerische Überschrift dieses Artikels feststellen, heißt es eigentlich OKR und Scrum, anstatt versus. Wie genau man dieses Tandem aufbaut, um am Ende auch dort anzukommen wo man hinmöchte, verraten wir dir gern individuell. Wir freuen uns auf deine Nachricht.

In diesem Sinne: Viel Erfolg mit deinen OKRs!

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